Behandlungsraum mit Therapieliege in der Physiotherapie Rado Koblenz
Nachbehandlung nach Gelenkersatz

Physiotherapie nach Schulter‑TEP
in Koblenz

Nach einer Schulterprothese braucht die Schulter zuerst Schutz, dann geführte Bewegung und schließlich Kraft. Wir begleiten Sie durch alle Phasen – abgestimmt auf Ihren Prothesentyp und das Schema Ihres Operateurs.

Worum es geht

Schulter-TEP: Erst schützen, dann bewegen, dann kräftigen

Bei einer Schulter-Totalendoprothese werden Oberarmkopf und Gelenkpfanne ersetzt – bei Arthrose, nach Brüchen des Oberarmkopfs oder bei einem großen Sehnendefekt. Es gibt zwei Bauarten: die anatomische Prothese, bei der die Rotatorenmanschette die Schulter weiter führt, und die inverse Prothese, bei der der Deltamuskel diese Aufgabe übernimmt.

Für die Physiotherapie bedeutet das unterschiedliche Schutzregeln in den ersten sechs Wochen. Gemeinsam ist beiden: Der Arm wird früh, aber geführt bewegt, Ellenbogen und Hand bleiben von Anfang an aktiv, und die Kräftigung beginnt erst, wenn Sehnen und Weichteile eingeheilt sind.

Animation: Anheben des Arms nach Schulterprothese – bis 90 Grad in der geschützten Phase, später freie Beweglichkeit Arm anhebenRichtwerte nach Schulter‑TEP 90° bis Woche 6 0°90°150°AnhebenGeschützte Phase: bis 90°,danach schrittweise frei

Kurz zusammengefasst

  • Start: Physiotherapie ab den ersten Tagen in der Klinik, danach ohne Pause ambulant bei uns – mit dem Nachbehandlungsschema Ihres Operateurs.
  • Schutz: Schlinge oder Abduktionskissen als Richtwert 4–6 Wochen; geführte Bewegung bis etwa 90° Anheben; keine Belastung, kein Abstützen.
  • Anatomisch: ca. 6 Wochen Sehnenschutz – Außenrotation begrenzt, keine aktive Innenrotation gegen Widerstand. Invers: keine Kombination aus Rückführen, Innendrehen und Heranführen (Luxationsschutz).
  • Zurück im Alltag: Kräftigung ab Woche 7–12, Autofahren nach Ablegen der Orthese, gelenkschonender Sport ab etwa 6 Monaten – nach ärztlicher Freigabe.
Ihr Weg zurück

Die Phasen nach der Schulter-TEP im Überblick

Richtwerte angelehnt an die Nachbehandlungsempfehlungen der DGOU – Ihr persönlicher Verlauf kann davon abweichen.

OP-Tag bis Woche 2

Schutz & Abschwellung

Orthese anlegen, Lymphdrainage, Pendelübungen, geführtes Bewegen bis 90°, Ellenbogen und Hand aktiv. Täglich üben.

Woche 3–6

Geführte Bewegung

Assistives Bewegen innerhalb der Grenzen, Schulterblatt stabilisieren, Orthese schrittweise abtrainieren.

Woche 7–12

Aktiv & kräftigen

Freigabe der Bewegung, aktives Anheben, Muskelaufbau, Belastung über Kopf und mit längerem Hebel aufbauen.

Ab Monat 4–6

Belastbarkeit & Sport

Kraft und Ausdauer, Alltagsbelastung weitgehend frei, schwere Lasten nach Rücksprache, gelenkschonender Sport nach ärztlicher Freigabe.

Der Phasenplan

Was in welcher Phase passiert

So gestalten wir die Nachbehandlung in der Praxis – abgestimmt auf Prothesentyp und Schema Ihres Operateurs.

PhaseZielePhysiotherapie bei unsZuhause & Alltag
Phase 1OP-Tag bis Woche 2
  • Schmerz und Schwellung reduzieren
  • Verklebungen vorbeugen
  • Ellenbogen, Hand und Nacken beweglich halten
  • Umgang mit der Orthese
  • Lymphdrainage, Kühlung
  • Passives und assistives Bewegen bis ca. 90° Anheben
  • Anatomisch: passive Außenrotation auf 20–30° begrenzt, keine aktive Innenrotation gegen Widerstand; invers: Rotation schmerzabhängig
  • Pendelübungen, Schulterblattmobilisation, Anspannungsübungen
  • Orthese tragen, zum Üben ablegen
  • Mehrmals täglich Pendeln sowie Hand- und Ellenbogenübungen
  • Nicht heben, tragen oder abstützen
  • Schlafen leicht erhöht, Arm unterlagert
Phase 2Woche 3–6
  • Beweglichkeit innerhalb der Grenzen erweitern
  • Schulterblatt stabilisieren
  • Orthese abtrainieren
  • Assistiv geführtes Bewegen, ggf. Bewegungsbad
  • Koordinationstraining und Schulterblattstabilisation
  • Statische Muskelarbeit ohne Widerstand gegen die geschützten Strukturen
  • Narbenbehandlung nach Fadenzug
  • Arm zunehmend für leichte Alltagstätigkeiten nutzen
  • Weiterhin keine Lasten, kein Abstützen
  • Orthese nach Vorgabe schrittweise weglassen
Phase 3Woche 7–12
  • Aktive Bewegung ohne Limit
  • Kraft der Rotatorenmanschette bzw. des Deltamuskels
  • Alltag über Kopf
  • Aktives Bewegen in alle Richtungen
  • Muskelaufbau mit Theraband und leichten Gewichten
  • Belastungssteigerung mit langem Hebel
  • Haltung und Rumpfstabilität
  • Autofahren nach Freigabe
  • Büroarbeit, leichte Hausarbeit
  • Lasten langsam steigern (Richtwert: zunächst wenige Kilogramm)
Phase 4Ab Monat 4–6
  • Volle Belastbarkeit im Alltag
  • Sportfähigkeit für gelenkschonende Sportarten
  • Langfristig Kraft erhalten
  • Sportartspezifisches Training
  • Trainingsplan für zuhause
  • Kontrolle von Beweglichkeit und Kraft
  • Schwimmen, Walking, Radfahren, Golf
  • Wurf-, Kontakt- und Kraftsport sowie schwere Lasten mit dem Operateur besprechen

Richtwerte angelehnt an die Nachbehandlungsempfehlungen der DGOU für anatomische und inverse Schulterprothesen (Kapitel Humeruskopffraktur). Nach Brüchen des Oberarmkopfs, bei Sehnenrekonstruktionen oder Wechseloperationen legt der Operateur häufig längere Schutzphasen fest – diese haben Vorrang.

Unsere Behandlung

Was wir in der Praxis für Sie tun

Geführte Mobilisation

Passives und assistives Bewegen genau innerhalb der erlaubten Grenzen – so bleibt die Schulter beweglich, ohne die eingeheilten Strukturen zu gefährden.

Schulterblatt & Haltung

Ein stabiles Schulterblatt ist das Fundament jeder Armbewegung. Wir trainieren Schulterblatt, Nacken und Rumpf von Anfang an mit.

Lymphdrainage & Narbe

Abschwellung in den ersten Wochen und Narbenbehandlung nach Fadenzug für ein frei gleitendes Gewebe.

Kräftigung ab Phase 3

Rotatorenmanschette oder Deltamuskel, Theraband, Gewichte und Alltagsbewegungen über Kopf – schrittweise und kontrolliert.

Selbst aktiv werden

Vier Dinge, die Sie zuhause tun können

Ihr persönliches Übungsprogramm stellen wir im ersten Termin zusammen – diese Grundregeln gelten fast immer.

Pendeln

Mit dem gesunden Arm abstützen, Oberkörper vorbeugen und den operierten Arm locker hängen lassen und kreisen. Mehrmals täglich 1–2 Minuten.

Hand und Ellenbogen

Faust öffnen und schließen, Handgelenk kreisen, Ellenbogen beugen und strecken – stündlich, auch mit angelegter Orthese.

Schutzregeln einhalten

Nicht heben, tragen, abstützen oder ruckartig bewegen. Anatomisch: nicht aktiv gegen Widerstand nach innen drehen, Außendrehung nur geführt bis zur Grenze. Invers: Arm nicht nach hinten führen und gleichzeitig einwärts drehen.

Nacken entlasten

Schultern bewusst sinken lassen, Kopf sanft drehen und neigen. Viele Beschwerden nach Schulter-OPs entstehen durch Schonhaltung im Nacken.

Wann sofort ärztlich abklären lassen?

Bei plötzlichem starkem Schmerz mit Bewegungsunfähigkeit oder sichtbarer Fehlstellung (Hinweis auf Luxation), bei Fieber, Rötung, Überwärmung oder Flüssigkeit aus der Wunde (Infektion), bei Taubheit oder Kraftverlust in Hand und Fingern sowie bei einer Armschwellung mit Schmerz (Thrombose): bitte umgehend an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder den Notruf 112 wenden.

Rezept, Kosten & Ablauf

So kommen Sie zu uns

Verordnung nach Gelenkersatz

Nach dem Gelenkersatz erhalten Sie in der Regel bereits in der Klinik oder Reha eine Verordnung (Entlassrezept – bitte innerhalb von 7 Tagen mit der Behandlung beginnen). Danach verordnet Ihre Hausärztin, Ihr Hausarzt oder die orthopädische Praxis Krankengymnastik, Manuelle Therapie oder Lymphdrainage. Nach einem Gelenkersatz besteht in den ersten Monaten meist ein besonderer Verordnungsbedarf, sodass die Behandlung außerhalb des Praxisbudgets verordnet werden kann. Alle Kassen, privat oder als Selbstzahler – wir beraten Sie gern.

Ihr Operateur hat das letzte Wort

Alle Angaben auf dieser Seite sind Richtwerte aus aktuellen Leitlinien und Nachbehandlungsempfehlungen. Maßgeblich ist immer das Nachbehandlungsschema Ihres Operateurs – es berücksichtigt Prothesentyp, Verankerung, Zugang und Ihre persönliche Situation. Bringen Sie es bitte zum ersten Termin mit; wir stimmen die Therapie darauf ab.

Stand: Oktober 2026Fachliche Prüfung: Team Physiotherapie RadoRichtwerte – das Nachbehandlungsschema Ihres Operateurs hat Vorrang
Häufige Fragen

Fragen zur Nachbehandlung nach Schulter-TEP

Anatomische oder inverse Schulterprothese – was ist der Unterschied für die Physiotherapie?
Bei der anatomischen Prothese bleibt die Rotatorenmanschette der Motor der Schulter – deshalb wird die am Vorderrand gelöste und wieder angenähte Sehne (Subscapularis, ein Innenrotator) etwa 6 Wochen geschont: keine aktive Innenrotation gegen Widerstand (z. B. Abstützen, Hand hinter den Rücken drücken), passive Außenrotation meist auf 20–30° begrenzt. Bei der inversen Prothese übernimmt der Deltamuskel die Führung; hier gilt vor allem: in den ersten Wochen keine Kombination aus Streckung nach hinten, Innendrehung und Heranführen des Arms (Luxationsschutz). Wir richten das Programm nach Ihrem Prothesentyp aus.
Wie lange muss ich die Schlinge oder das Abduktionskissen tragen?
Als Richtwert 4 bis 6 Wochen, vor allem nachts und unterwegs; zu den Übungen wird die Orthese abgelegt. Der genaue Zeitraum steht im Schema Ihres Operateurs.
Wie viel darf ich den Arm bewegen?
In der geschützten Phase (etwa bis Woche 6) wird der Arm geführt bzw. passiv und assistiv bewegt, als Richtwert bis 90° Anheben. Danach wird die Bewegung schrittweise freigegeben, und ab etwa Woche 7 bis 12 beginnt die aktive Kräftigung. Volle Beweglichkeit entwickelt sich über Monate.
Darf ich den Arm im Alltag benutzen?
Hand, Handgelenk und Ellenbogen sollen von Anfang an bewegt werden – essen, schreiben, Zähne putzen mit angelegtem Ellenbogen sind in der Regel erlaubt. Heben, Tragen, Abstützen und ruckartige Bewegungen sind in den ersten 6 Wochen tabu. Das Tragen schwerer Lasten besprechen Sie langfristig mit dem Operateur.
Wann kann ich wieder Auto fahren, arbeiten und Sport treiben?
Autofahren meist erst nach dem Ablegen der Orthese und mit ausreichender Kraft und Beweglichkeit, als Richtwert ab 6 bis 8 Wochen, nach Rücksprache mit dem Arzt. Bürotätigkeit oft nach 4 bis 6 Wochen, körperlich belastende Arbeit nach 3 Monaten oder später. Gelenkschonender Sport wie Schwimmen, Walking, Radfahren oder Golf ist in der Regel ab etwa 6 Monaten möglich – je nach Verlauf und Freigabe auch früher.
Wie lange dauert die Nachbehandlung insgesamt?
Die intensive Phase dauert etwa 3 Monate; Kraft und Beweglichkeit verbessern sich aber häufig bis zu einem Jahr nach der Operation. Regelmäßiges Üben zuhause ist dabei genauso wichtig wie die Termine bei uns.

Termin nach Ihrer Schulter-OP

Rufen Sie uns an – am besten noch vor der Entlassung, damit die Behandlung ohne Pause weitergeht.

Weitere Nachbehandlungs- und Spezialseiten: